Vergebung ist eine Erfahrung

Vergebung ist so ein Wort, welches für viele Menschen schwierig zu fassen ist. Das Wort wird auch kaum mehr benutzt und hat in der deutschen Kultur wenig Popularität.

Vergebung ist aber ein wichtiges göttliches Prinzip und daher ist es sehr wichtig zu verstehen, was es genau bedeutet, wie man damit umgeht und wann man selbst Vergebung braucht. Vergebung ist aber auch so ein Wort, dass man nicht verstehen kann wenn man nur theoretisch darüber nachdenkt oder darüber liest. Man kann darüber ganz viel schreiben und auch in der Bibel nachgucken was darüber steht, aber all das kann die Erfahrung einer echten Vergebung nicht ersetzen. Wenn wir eine echte Vergebung nicht erlebt haben, dann wissen wir nicht was Vergebung ist! Deswegen ist es zwar nett und bis zu einem bestimmten Grad auch hilfreich, dass ich darüber schreibe, aber wenn du es nicht erlebt hast, dann wird dir trotzdem das nötige Verständnis fehlen. Das ist übrigens genauso mit  den Begriffen, Gottesbegegnung, Geisterfüllung, Kraft Gottes, Liebe Gottes, Berufung und vielen weiteren. All diese Dinge sind wichtige Elemente der Bibel ohne die kein Mensch die Wahrheit der Bibel verstehen kann. Aber das ist ein anderes Thema über das ich demnächst auch mal schreiben möchte.

Die Intensität des Verständnisses für Vergebung hängt proportional ab von der tiefe der Sünde um die es bei der Vergebung geht, die man erlebt. Wenn ein Mörder Vergebung erlangt für den Mord den er begangen hat, so ist diese Gnade ein viel intensiveres Erlebnis als die Vergebung einer Lästerung. Im Übrigen ist Vergebung wie eine zweiseitige Münze, es gibt zum Einen das Erlebnis, dass einem selbst vergeben wird, zum anderen gibt es das Erlebnis das man selbst jemanden etwas vergibt. Diese zwei Seiten hängen auch stark zusammen: Menschen die nie Vergebung in ihrem Leben erfahren haben sind so gut wie unfähig auch nur die kleinsten Fehler Anderer zu vergeben. Menschen die hingegen selbst starke Fehler vergeben bekommen haben fällt es dann auch leichter Dinge zu vergeben die ihnen selbst sehr weh getan haben. Warum das so ist erläutere ich am Ende des Artikels.

Ich glaube sehr oft sprechen wir von Vergebung auch wenn es sich gar nicht wirklich um echte Vergebung handelt daher möchte ich einige charakterisierende Aussagen darüber treffen wie echte Vergebung ist.

1. Vergebung ist nicht gerecht

Gott hat den Menschen zunächst Gerechtigkeit gelehrt. Das Gesetz, dass Gott den Juden gegeben hat um ihnen zu lehren was Gerechtigkeit und Güte bedeutet war das fortschrittlichste Gesetz jener Zeit. Zu diesen Zeiten gab es übrigens noch so gut wie gar keine öffentlichen Gesetze. Die Menschen haben sich darüber lustig gemacht, dass die Juden einem Gesetz gefolgt sind und Richter Urteile nach dem Gesetz gesprochen haben. Heute basiert jede Nation auf öffentlichen Gesetzen, sie geben uns Schutz und ordnen das öffentliche Leben. Das Gesetz der Juden ist äußerst gerecht und folgte dem Prinzip: Auge um Auge, Zahn um Zahn, bzw. wie du mir, so ich dir. (Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brand um Brand, Wunde um Wunde, Beule um Beule. – 2.Mose 21,24) Wenn du mir das Auge ausstichst so ist deine Strafe, dass dein Auge auch ausgestochen wird. Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Wenn ich früher als Kind mit meinem Vater gekabbelt habe (Spaßkampf) sagte er oft im Spaß: „Das Echo kommt immer zehnmal zurück“, was bedeutete: Wenn ich ihn einmal schlage, dann kommen mehrere Schläge zurück… Das mag sich für manchen sinnvoll anhören, ist aber nicht gerecht. Gerechtigkeit bedeutet, dass jedem das wiederfährt was er selbst Anderen angetan hat. Gerechtigkeit schützt Menschen, an denen Unrecht begangen wurde, davor, dass die Täter straflos davon kommen. Aber gleichzeitig schützt es Menschen vor überhöhter Strafe nach einem begangenen Fehler. Gerechtigkeit ist im Wesen Gottes verankert, dass finden wir immer wieder in der Bibel: „Er ist der ewige Fels. Vollkommen ist sein Tun, ja, alle seine Wege sind gerecht. Ein Gott der Treue und der Gerechtigkeit, ehrlich und aufrichtig ist er. “ (5. Mose 32,4)

Vergebung aber ist nicht gerecht. An dem Punkt wo Gerechtigkeit gesprochen werden könnte, stoppt die Vergebung den Prozess und verhindert die Strafe. Wenn jemand mir die Hand abschlägt, so verhindert die Vergebung, dass der schuldigen Person auch die Hand abgeschlagen wird. Merkt ihr wie diese beiden Prinzipien sich grundsätzlich widersprechen?!

Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass es ohne Gerechtigkeit keine Vergebung geben kann. Die Vergebung wird erst in dem Umfeld möglich das zunächst durch Gerechtigkeit geordnet wurde. Wenn es ein Gesetz gibt und man gegen dieses Gesetz verstößt, daraufhin dann gerecht unter diesem Gesetz verurteilt wird, dann nimmt man die entsprechende Strafe an, denn man kannte ja das Gesetz und hat es als gut anerkannt. Der Schuldige erwartet also Gerechtigkeit, aber nicht Vergebung. In diesem Moment ist Vergebung dann ein Geschenk, wofür sich die Person, an der die Schuld begangen wurde, freiwillig entscheiden kann. Vergebung ist also ein unerwartetes Handeln im Umfeld der Gerechtigkeit. In einem Umfeld indem es keine Gerechtigkeit gibt, kann es auch keine Vergebung geben, denn in diesem Umfeld herrscht reine Willkür und Chaos. Es gibt in diesem Zustand auf keiner Seite eine Übereinkunft darüber was für Folgen ein bestimmtes Verhalten hat. In diesem Fall kann also keine Entscheidung darüber getroffen werden ob eine Entscheidung gnädig, gerecht oder ungerecht ist. Dass gilt auch für die Menschen im Allgemeinen. Wenn Menschen nicht wüssten, was gerecht ist, was gut und was schlecht ist, dann würde es auch keine Grundlage geben den Menschen wegen ihrer Schuld zu bestrafen. So ist das doch bei uns in dem Staat auch: Die Dinge die nicht zuvor im Gesetz festgelegt wurden können vor Gericht nicht zu einer Verurteilung führen. Hätte Gott uns also vor der Strafe bewahren können indem er uns einfach kein Gesetz zeigt und uns nicht erzählt was gerecht und was ungerecht ist? Ja, das war durchaus der Wille Gottes. Der Wille des Menschen war es aber genau das verstehen zu können! Es war die Entscheidung des Menschen, dass Gott dem Menschen erzählt was gut und was schlecht ist: „Gott, brachte also den Menschen in den Garten Eden, damit er diesen bearbeite und beschütze, und er wies ihn an: „Von allen Bäumen im Garten kannst du nach Belieben essen, nur nicht von dem Baum, der dich Gut und Böse erkennen lässt.“ (1.Mose 2,16) Die Ansage war also: „Du kannst alles machen was du willst, es gibt keine Strafe dafür, du bist frei! Aber entscheide dich nicht dafür, dass du anfängst zu verstehen was gut und böse ist, ja was als gerecht gilt. Denn dann wird dir das gerechte Gesetz kundgetan, du wirst es kennen und verstehen und du wirst nach diesem Gesetz beurteilt!“ Wir, du und ich, verstehen was gut und schlecht ist, schon Kinder haben ein ganz intuitives Verständnis dafür. Gott macht es jedem Menschen bekannt der auf der Erde lebt. Aber in diesem Umfeld der Gerechtigkeit wird eben auch Vergebung möglich.

Ich möchte noch einen Punkt ansprechen der mir auf dem Herzen liegt. In unserer Gesellschaft wird das Wort Vergebung ganz oft mit einer ganz anderen Bedeutung versehen und nimmt sehr häufig eher die Bedeutung der Gerechtigkeit ein. Aus diesem Grund denken viele Menschen, dass Vergebung schon ein Teil ihres Lebens wäre und sie Menschen vergeben können, obwohl das nicht der Wahrheit entspricht. Ich erinnere mich an einen Dialog im Internet: Christ:“Nur Menschen die an einen gnädigen Gott glauben können wirklich vergeben.“ Nichtchrist:“Unsinn, jeder Mensch kann vergeben. Es ist eine individuelle Entscheidung die mit der Reife zu tun hat.“ Ich glaube, dass dieses Missverständnis daher rührt, dass Menschen ganz verschiedene Vorstellungen davon haben was Vergebung ist. Das möchte ich an einem fiktiven Beispiel erklären:

Ein Ehepaar hat eine Tochter. Betrunken und im fahrlässigen Handeln tötet der Vater die Tochter. Die Tat kommt zur Anklage und der Vater wird zu einer zehnjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Vater kommt nach dieser Zeit aus dem Gefängnis und hätte gerne wieder Kontakt zu seiner Frau. Die Frau aber sagt: „Das werde ich dir nie vergeben.“

Scheinbar steht die Frau vor der Entscheidung der Vergebung. Oder doch nicht? Nein! Das ist keine Vergebung, sondern Gerechtigkeit! Der Mann beging einen Fehler und hat dafür seine gerechte Strafe bekommen. Die Frau akzeptiert aber keine gerechte Strafe, sondern verlangt eine ungerechte, vermutlich ewige Strafe! Sie steht also nicht vor der Entscheidung der Vergebung, sondern vor der Entscheidung die gerechte Strafe des Mannes anzuerkennen! Vergebung wäre in diesem Fall viel gravierender! Das würde bedeuten, bevor der Mann seine Strafe bekommen hat, vergibt die Frau dem Mann und verhindert, wenn es in ihrer Macht liegt, dass er die gerechte Strafe antreten muss. Wenn wir Vergebung in dieser ursprünglichen Bedeutung erfassen, dann merken wir wie wenig echte Vergebung gelebt wird. Die Frage ist doch, aus welcher Motivation heraus sollte die Ehefrau das tun? Ist es nicht ganz klar, dass der Vater die Folgen seines Handeln zu spüren bekommen sollte um es zu bereuen? Und hier merken wir den Unterschied. Aus welcher Motivation heraus sollte jemand so eine dumme Entscheidung treffen, wenn diese Person keinen gnädigen Gott kennt? Wenn man jedoch an Jesus Christus glaubt, dann könnte ich hier 10.000 Gründe nennen.

2. Vergebung ist eine einmalige Sache

Echte Vergebung ist ein Ausdruck der göttlichen Liebe. Im Korintherbrief heißt es: „Die Liebe trägt das Böse nicht nach.“ (1. Korinther 13,5) Die Vergebung ist also nicht nachtragend, nein sie ist sogar ein Widerspruch dazu. Was bedeutet es eigentlich für mich, wenn ich jemanden vergeben habe? Wie verhält man sich daraufhin, wenn man jemanden etwas Böses vergeben hat? Echte Vergebung bedeutet, dass man danach auch aufhört jemandem die Schuld weiterhin vorzuhalten oder sie nutzt um jemand damit unter Druck zu setzen. Wenn man so etwas tut, hat man der Person nicht wirklich vergeben. Stattdessen ist man höchstens gerecht und verteilt die Strafe der Person auf Situationen in dem man der Person alte Schuld wieder an den Kopf wirft um eigene Interessen zu erfüllen. Es ist noch viel schlimmer: Wenn man einer Person vergibt und dies der Person verkündet und daraufhin dieser Person trotzdem die Schuld immer wieder vorhält und sie daran erinnert, dann begeht man selbst Unrecht indem man jemanden anklagt der nicht mehr schuldig ist, weil die Schuld ja vergeben wurde. Dieses neue Unrecht braucht dann selbst auch wieder Vergebung oder wird gerecht bestraft! Das bedeutet, dass das getane Unrecht, welches vergeben wurde, keinen Einfluss mehr auf die Zukunft haben darf! Es ist sehr ähnlich wie das Vergessen, auch wenn es nicht aus unserem Gedächtnis verschwindet. Kris Valloton (Eine Frage der Ehre, Bethel Pastor) berichtet in einem seiner Bücher von einer privaten Situation: Er erzählt, dass er eines Abends seine Frau in großer Wut anschreit und sie beleidigt und zwar so, dass die ganze Familie das mitbekommt. Schon kurze Zeit danach wird ihm bewusst dass es falsch war, er bereut es und fragt die ganze Familie um Vergebung. Die Frau und die Kinder vergeben ihm. Keine lange Zeit danach kommt es zu einer Situation in der sein Sohn seine Frau anschreit und beleidigt. Als Kris ihn zur Rede stellt, antwortet der Sohn: „Das machst du doch genauso!“ Er erklärt seinem Sohn, dass er dieses Vergehen vergeben hat und sein Verhalten daher Unrecht ist. An diesem Beispiel soll deutlich werden was Vergebung bedeutet. Vergebung bedeutet, dass man die Dinge Rückgängig macht, eben wie als wenn es nie passiert wäre. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Vergangenheit bei Gott und in unseren Gehirnen gespeichert wird. Die Welt an sich aber speichert die Vergangenheit nicht. Wenn wir entscheiden und Gott entscheidet dass etwas vergeben wird, dann wird es gelöscht. Oftmals sind die Dinge bei Gott schon gelöscht, aber nicht in unseren Köpfen. Das müssen wir dann nachholen um mit ihm in Übereinstimmung zu kommen. Daraus kann man auch ableiten weshalb Jesus sagt, dass wir Menschen, die sich an uns versündigen, immer und immer wieder vergeben sollen. „Jesus, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er mich immer wieder verletzt? Siebenmal? – »Nein«, gab Jesus ihm zur Antwort, »nicht siebenmal, sondern sieben mal siebzigmal!«“ (Matthäus 18,21) Wenn wir jemanden etwas vergeben haben, dann ist das zweite, dritte oder vierte Vergehen in Wahrheit immer wieder das erste Vergehen, denn das vorige wurde ja vergeben und kann nicht mehr berücksichtigt werden. Nur wenn man etwas nicht vergeben hat zählt man die Schuld hoch!

Hierbei müssen wir auch bedenken, dass dies auch für den gilt der die Vergebung empfangen hat! Das ist mindestens genauso wichtig und prägt ebenfalls unsere Beziehung zu den Menschen und zu Gott. Wenn man Vergebung einmalig empfangen hat dann ist die Schuld auch weg. Das heißt wir brauchen für eine Sache für die wir einmal Vergebung empfangen haben auch nicht ein oder mehrere weitere Male erneut Vergebung empfangen. So handelt man nur wenn man kein Vertrauen in die Vergebung des Gegenübers hat und tut somit auch wieder Unrecht. Man kann nach der Vergebung auch nicht mehr über sich selbst sagen: „Ich bin so ein schlechter Mensch. Ich bin so armselig. Alles mache ich falsch“. So spricht man nur wenn man keine Vergebung empfangen hat oder aber der Vergebung nicht vertraut. Deswegen ist es auch falsch immer wieder mit der gleichen Schuld zu Gott zu kommen, sich selbst zu bemitleiden und Gott um Vergebung zu bitten für etwas, was er längst vergeben hat! „Denn ich werde ihnen alles Unrecht vergeben und werde nie mehr an ihre Sünden denken.“ (Hebräer 8, 12) / „“Entsündige mich mit Ysop, sodass ich komplett rein werde; wasche mich, sodass ich schneeweiß werde. Lass mich hören die Freude und Kraft, daß die Gebeine fröhlich werden, die du zerschlagen hast. Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden, und tilge alle meine Missetat.“ (Psalm 51, 9-14)

3. Vergebung basiert auf einem Geständnis

Vergebung kann nicht einseitig passieren sondern bezeichnet einen Prozess zwischen zwei beteiligten Personen. Im Falle eines Unrechts gesteht der Täter seine Tat und bekennt ehrlich, dass es falsch war. Daraufhin kann das Opfer sich für die Vergebung entscheiden. Ich möchte hiermit deutlich machen, dass Vergebung nicht bedeutet, dass man jemanden eine Schuld wegnimmt die diese Person gar nicht anerkennt. In solch einem Fall wäre tatsächlich Gerechtigkeit die göttlichere Antwort! Vergebung ist dort sinnvoll und göttlich, wo ein Mensch erkennt wie falsch das eigene Handeln war, welche unerwarteten negativen Konsequenzen es hatte, ja welches Leid es hervorgerufen hat. Diese Reue, die die Person dabei erlebt ist wirklich sehr wichtig, denn nur eine echte Reue kann verhindern, dass die Person das Unrecht nicht wiederholt. Nur eine intensive Reue führt zu einem intensiven wichtigen Lernprozess und damit zu einem veränderten Verhalten. Die Bibel spricht hier auch von Buße, aber dieses Wort ist auch recht outdatet und daher weniger verständlich… Man wird vergeblich nach einer Stelle in der Bibel suchen, in dem jemand Vergebung empfangen hat für eine Schuld die diese Person selbst nicht als weiter schlimm angesehen hat. Ich bin ziemlich überzeugt davon, dass es ohne Reue keine Vergebung geben wird, auch keine Vergebung durch Gott:„“Gott, vergib mir bitte du Gnädiger, und tilge mein Unrecht nach deiner großen Barmherzigkeit. Wasche mich rein von meiner Missetat, und reinige mich von meiner Sünde; denn ich erkenne meine Schuld, und meine schlimme Sünde ist immer vor mir.“ (Psalm 51, 3)

Oder: „Da bekannte ich dir mein Unrecht und habe meine Schuld nicht versteckt. Ich sagte:‚Ich will dem Herrn meine Übertretung bekennen. Da hast du mich gehört und meine Sündenschuld vergeben.“ (Psalm 32, 3)

Oder noch besser: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, sodass er uns die Sünden vergibt und uns von jedem Unrecht reinigt.“ (1.Johannes 1,9) Dieser Zusammenhang gilt für unsere Beziehung zu Gott, aber auch für die Beziehung zu den anderen Menschen. Jesus sagte dazu: „Seht euch also vor!« »Wenn dein Bruder Unrecht tut, dann weise ihn zurecht, und wenn er sein Unrecht einsieht, vergib ihm. Selbst wenn er siebenmal am Tag gegen dich sündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: ›Ich will es nicht mehr tun(!)‹, sollst du ihm vergeben.«“ (Lukas 17, 3) Innerhalb des Volk Gottes sollen wir uns sogar gegenseitig auf unsere Schuld hinweisen, wenn die Person es dann einsieht ist der Weg frei für Vergebung. Meiner Meinung nach wird zu oft so getan als wenn wir das Eingestehen der Schuld nicht mehr brauchen würden. Im alltäglichen Leben würden wir zwar nie so denken, aber wenn es um unsere Schuld vor Gott geht, denken einige Gott würde einfach alles verzeihen auch wenn es mir im Moment ziemlich egal ist, bzw. ich selbst das alles gar nicht so schlimm oder falsch finde. Für unser Leben und unsere Gemeinden bedeutet das, dass wir erneut zu einer Kultur kommen müssen, die Bekenntnisse und Geständnisse möglich macht, zulässt und fördert und gleichzeitig auch Gottes Verständnis von Gerechtigkeit lehrt.

4. Vergebung ist göttlich

Es gibt Prinzipien die der Mensch nicht intuitiv versteht. Diese Dinge muss Gott jeden einzelnen Menschen der lebt lehren, indem er zu dieser Person spricht. Die wichtigsten dieser Dinge hat Gott den Menschen erzählt, als er selbst etwa 30 Jahre auf der Erde als Mensch lebte. Er wollte hier sicher gehen, dass es nicht zu Missverständnissen kommt und hat sich hier für eine Kommunikation auf Augenhöhe mit den Menschen entschieden. Dabei war es ihm am wichtigsten den Menschen zu erklären, dass es nichts Wichtigeres gibt als die göttliche Liebe. Gott erklärte den Menschen dann, dass es bei all seinem Handeln um eine liebende Beziehung zwischen ihm und den Menschen geht. Er stellte aber auch klar wie echte Liebe aussieht und was Liebe nicht ist. (Siehe 1. Korinther 13) Gott ging dann aber noch ein Schritt weiter und sagte nicht nur, dass er die Menschen liebt, sondern dass er selbst die Liebe ist und dass alle Liebe aus ihm kommt. Liebe ist also göttlich, ja ein wesentlicher Teil seines Wesens. Das gleiche gilt für die Vergebung, die ein Aspekt der göttlichen Liebe darstellt. „Der Herr ist voll Liebe und Vergebung, voll Geduld und unendlicher Güte.“ (Psalm 103,8). Aber was genau können wir daraus lernen? Ich möchte hier einen Aspekt nennen: Wenn Gott selbst die Liebe und Vergebung ist, dann bestimmt seine Nähe zu uns unsere Möglichkeit echte Liebe und Vergebung weiterzugeben. Okay hier wird es jetzt anspruchsvoll, also pass gut auf: Das Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ spricht davon dass jeder Mensch ein Liebestank hat. Dieses Bild kann man sowohl für die Liebe als auch für die Vergebung nutzen. Wir können nur weitergeben, was wir bekommen haben, wenn Gott also unseren Liebestank füllt, dann sind wir fähig diese Liebe aus dem Tank weiterzugeben. Wenn aber die liebende Beziehung zu Gott fehlt, dann sind wir darauf angewiesen, dass Menschen diesen Liebestank füllen. In einigen Situationen mag das funktionieren, in anderen dann aber wieder nicht. Dass Gott selbst die Liebe ist, bedeutet aber, dass der Mensch selbst keine Liebe produzieren kann. Jede Liebe die weitergegeben wird ist daher Liebe die irgendwann von Gott zur Verfügung gestellt wurde. Genauso ist es mit der Vergebung, sie wird zuerst von Gott gewährt und kann dann an andere Menschen weitergeben werden. Ein Mensch kann aber eine echte Vergebung nicht aus sich heraus produzieren. So ist es und war es wie es bleibt: Jede Liebe und jede Vergebung hat ihren Ursprung in Gott. Auch wenn diese in langen Wegen von Mensch zu Mensch getragen werden und es manchen Menschen daher verborgen bleibt woher die Liebe kommt, so bleibt Gott doch der Urheber und die Quelle aller Liebe!

Viele Menschen erleben das! Das Liebe nicht aus ihnen heraus kommt und nicht von anderen Menschen, sondern sie übernatürlich eine echte Liebe empfangen die sie befriedigt. Ja sie empfangen Vergebung obwohl sie eigentlich Gerechtigkeit verdient hätten. In diesen Momenten ist Gott am Werk und fügt dem System Ressourcen hinzu. Wodurch sich die Gesamtmenge an Liebe und Vergebung im System vergrößert!

Also nochmal… was soll das denn jetzt heißen? Es bedeutet, dass wir zunächst selbst Liebe empfangen müssen bevor wir andere Menschen lieben. Es bedeutet, dass wir zunächst selbst Vergebung von Gott empfangen müssen bevor wir anderen Menschen vergeben können. Denn diese Ressourcen dafür kommen allein aus Gott und nicht aus uns. Sie sind göttlich und nicht menschlich:

„Wir lieben, weil Gott uns zuerst geliebt hat!“ (1 Johannes 4,19) Oder auch: „Geht also freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat.“ (Epheser 4,32)

Wenn wir allerdings Gott in diesem Vorhaben ausklammern, dann haben wir nur die Möglichkeit das weiterzugeben was wir von Mitmenschen empfangen haben (was die wiederum von anderen Menschen oder von Gott empfangen haben). Im Bereich der Liebe mag das ja noch ein Bisschen sein, was dann in unserem Tank vorhanden ist. Wenn es aber um echte Vergebung geht, dann erkennen wir schnell, dass wir solche noch nie oder sehr selten von Menschen empfangen haben. Wir sind also darauf angewiesen zunächst in Fülle von Gott zu empfangen und diese Ressourcen dann freimütig weiterzugeben.

Das ist viel Theorie über Vergebung. Damit du wirklich verstehst was gemeint ist, musst du es erfahren! Daher erwarte Liebe und Vergebung von Gott und sei stets gewollt deinen Mitmenschen zu vergeben, wenn sie ihr Unrecht erkennen und bereuen.

Gott ist die Quelle. Amen!

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